Kundgebung am 15. März 2003 auf dem Kornhausplatz
in Bern
Die Stimmen der Migrantinnen
Die Stimmen der Migrantinnen hörbar machen, das ist das Ziel der
Kundgebung am 15. März. Noch vor den Wahlen im Herbst will der Bundesrat
die Revisionen des Ausländer- und des Asylgesetzes durchs Parlament
jagen. Gerade im Wahljahr dürfen wir deshalb die Tribüne nicht
den KandidatInnen und Parteien überlassen, die ihre Parlamentssitze
auf Kosten jenes Teil der Bevölkerung gewinnen wollen, der kein Wahl-und
Stimmrecht hat. Niemand kennt die konkreten Auswirkungen des AusländerInnenrechts
besser, als die Migrantinnen und Migranten.
Die offizielle Schweiz richtet ihre Migrationspolitik an den Interessen
der Wirtschaft aus. Für die Aufenthaltsbewilligung von Managern und
hochbezahlten Fachkräften soll es dabei keine Schranken geben. Die
DienstbotInnen sollen dagegen möglichst billig und rechtlos sein.
Wenn der "Zweck ihres Aufenthaltes" erfüllt ist, sollen
sie wieder gehen. Das gilt für die ausländische Ehefrau, die
sich von ihrem schweizerischen Mann trennen will, genau so wie für
den Arbeiter mit Kurzaufenthalt. Wer sein Aufenthaltsrecht verliert, wird
zur leichten Beute für Ausbeutung und Gewalt. Patriarchale Strukturen
zwingen Frauen in zusätzliche Abhängigkeitsverhältnisse.
Der Bundesrat hat im Jahr 2002 gesetzliche Regelungen vorgeschlagen,
welche die Rechte der Flüchtlinge und der anderen EinwanderInnen
aus Nicht-EU-Staaten massiv einschränken. Das Saisonnierstatut ist
zwar abgeschafft, doch das Rotationsprinzip für Arbeitskräfte
aus Nicht-EU-Ländern soll ausgebaut werden. Spezielle Kurzaufenthaltsregelungen
für Cabaret-Tänzerinnen sollen die Nachfrage nach einem rasch
wechselnden Angebot an exotischen Sexobjekten befriedigen. Immer mehr
Zwangs- und Kontrollmassnahmen lösen Entmündigung und Eingriffe
ins Privatleben aus.
Nicht mit uns! Wir haben die gegen MigrantInnen und Flüchtlinge gerichtete
Migrationspolitik satt. Wir fordern gleiche Rechte für alle Menschen,
ungeachtet ihrer Herkunft und ihres Geschlechts. Rechte statt Schranken
– unter diesem Motto protestieren wir an der Kundgebung vom 15.
März 2003, 13.30 Uhr, auf dem Kornhausplatz in Bern. Mit Musik, Theater,
Redebeiträgen, Informationsständen und Bildern werden wir unsere
Sicht des Zusammenlebens zum Ausdruck bringen. Die Kundgebung wird von
Frauen aus den Gewerkschaften und aus weiteren 50 Organisationen vorbereitet.
Informationen: Rechte statt Schranken, Neuengasse 8, 3011 Bern, Tel.
031 311 07 70, e-mail: sekretariat@sosf.ch

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