
Babaylan – Switzerland
Philippine Women’s Network in Europe
Anny Hefti, Tel. 034 496 81 65
Ermächtigung (Empowerment) von Migrantinnen und Frauenflüchtlingen
Die Erfahrungen von Migrantinnen und Frauenflüchtlingen verlaufen
ähnlich: Sie gehören zur vertriebenen Bevölkerung, die
auf fremdem Boden leben muss. Sie haben ihre vertraute Umgebung verlassen,
sich von ihren Lieben verabschiedet und den Schritt in eine unbekannte
Zukunft in einem fremden Land, in einer fremden Kultur mit einer fremden
Sprache gewagt.
In der neuen Umgebung kommt auf die Migrantin viel Neues zu, das sie
verstehen muss. Sie durchläuft verschiedene Lernprozesse in mehreren
Stadien. Eine der wichtigsten Aufgaben, die ausländische Frauen (und
Männer) zu bewältigen haben, ist die Trennung von ihrer Familie
zu verarbeiten. Dabei können sie eine Phase der Depression oder Lethargie
durchlaufen. Ist diese Phase einmal überstanden und kann die Angst
überwunden werden, durchbricht das Individuum die Isolation und sucht
Kontakte. Dies ist der erste Schritt in die Richtung individueller Befreiung.
Die Frau ist motiviert, die fremde Sprache zu lernen und ist daran interessiert,
mehr über die fremde Kultur zu erfahren. Individuelle Befreiung heisst,
die Selbstachtung zu verbessern und Selbstvertrauen zu gewinnen.
Die zweite – und die wichtigste – Strategie zur Stärkung
von Migrantinnen und Frauenflüchtlingen ist, sich zu organisieren.
Gerade gesellschaftlich unterdrückte Gruppen können sich nur
befreien, indem sie eine starke Organisation aufbauen. Als nächster
Schritt können sie Allianzen eingehen und so ein Netzwerk formen.
Gemeinsam können sie Kampagnen durchführen und Lobbyarbeit für
ihre Anliegen betreiben.
Die dritte Strategie ist Bildung. Wissen, Fähigkeiten und soziales
Bewusstsein verleiht jeder Person mehr Macht. In Workshops unter Frauen
können sie Probleme identifizieren, Lösungen finden und Strategien
entwickeln, wie Programme zur Stärkung der Frauen umgesetzt werden
können.
Die vierte Strategie ist die internationale Solidarität. Die Erfahrungsgeschichten
von Migrantinnen und Frauenflüchtlingen beginnen in ihren Heimatländern,
wo sie unter enormen Opfern die vertrauten vier Wände verlassen haben,
auf der Suche nach einem besseren Schicksal. Indem sich die Frauen diese
Geschichten und Kämpfe aus der ganzen Welt mitteilen, zeigen sie
auf, dass sie nicht alleine sind. Diese Erkenntnis stärkt die Hoffnung
und den Willen. Indem Frauen aus verschiedenen Ländern Ideen austauschen,
verleihen sie einander Macht.
Basierend auf den oben erwähnten Strategien empfehlen wir:
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1. Sofortige und klare Orientierung der neu angekommenen Frauen
über Adressen von Beratungsstellen, über soziale Dienstleistungen,
psychologische Hilfe, über Migrationsgesetze und über die
Rechte von Migrantinnen.
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2. Kurse für Migrantinnen und Frauenflüchtlinge anbieten,
in denen sie lernen, ihre Identität als Frauen zu stärken
und Selbstvertrauen zu entwickeln.
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3. Die Organisationsbestrebungen und Kampagnen von Migrantinnen
und Frauenflüchtlingen beratend und finanziell unterstützen.
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4. Gesellschaftliche Anerkennung der Probleme, mit denen Schwarze
Frauen, Migrantinnen und Frauenflüchtlinge konfrontiert sind.
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5. Unterstützung der Lobbyarbeit und der aktiven Teilnahme
von Migrantinnen in Kommissionen und Komitees, die Migrationsthemen
bearbeiten.
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6. Kontakte zu lokalen und internationalen Frauenorganisationen
aufbauen und pflegen.

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