«Geflüchtete sind vor allem eines: Menschen»

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Kleider auf der Flucht

Geflüchtete sind vor allem eines: Menschen. Es spielt keine Rolle, aus welchem Land sie kommen, welche Sprache sie sprechen oder welche Farbe ihre Augen oder Haare haben. Geflüchtete sind Menschen, die Schutz brauchen – so wie die Menschen aus Syrien ihn vor zehn Jahren brauchten und die Menschen aus der Ukraine vor vier Jahren.

 

Für mich und für die vielen Hundert Iraner:innen, die in dieses Land gekommen sind, ist es weder ein Privileg, geflüchtet zu sein, noch ein Weg in ein besseres Leben. Wir sind nicht vor Geschossen und Panzern geflohen. Wir sind vor einem Regime geflohen, das sich Republik nennt, seinen Menschen aber das Leben und die Freiheit nimmt. Ein Regime, das innerhalb von nur sieben Monaten mehr als 40’000 Menschen auf den Strassen massakriert, mehr als 400 Menschen öffentlich hingerichtet und mehr als 50’000 weitere inhaftiert hat. Und obwohl es im Süden Irans weiterhin in Konflikte mit den USA und Israel verwickelt ist, setzt es seine Hinrichtungen fort.

 

Ich und viele andere sind in dieses Land gekommen, um das Recht zu atmen zu haben und um Zugang zu den grundlegendsten menschlichen Bedürfnissen und Rechten zu bekommen – Rechte, die uns in unserem eigenen Land, in unserem eigenen Zuhause genommen wurden.

 

Doch heute stehe ich hier vor Schwierigkeiten, die sich viele von euch wahrscheinlich nur schwer vorstellen können. Nachdem ich siebzehn Monate lang gearbeitet hatte, wurde mir das Recht zu arbeiten entzogen. Heute darf ich nicht einmal unbezahlt arbeiten – obwohl ich einen Masterabschluss in Lebensmitteltechnologie habe und Forschungserfahrung im Bereich Nanotechnologie mitbringe.

 

Ich darf keinen Sprachkurs besuchen, obwohl ich fünf Weltsprachen spreche. Und deshalb habe ich kaum die Möglichkeit, eine der vier Landessprachen der Schweiz richtig zu lernen. Ich darf den Kanton nicht verlassen. Und ich darf nicht einmal einen an mich adressierten Brief bei der Post abholen.

 

Das sind nur einige der Schwierigkeiten, denen ich als iranischer Asylsuchender in der Schweiz begegne.

 

Vielleicht denkt ihr gerade darüber nach, wohin eure nächste Reise gehen soll. Ich dagegen frage mich, ob ich morgen mehr als eine Mahlzeit zu Essen haben werde.

 

Seit mehr als zwei Jahren versuchen wir iranischen Asylsuchenden, auf unsere Situation aufmerksam zu machen. Doch niemand hat uns gehört – ausser dem Migrant Solidarity Network (MSN). Dafür möchte ich ihnen von Herzen danken.

 

Ich wünsche mir, dass jeder iranische Flüchtling mit Würde und Menschlichkeit behandelt wird – und nicht wie ein Verbrecher.

 

Vielen Dank.